Carl Michael Bellman

Carl Michael Bellman (1740–1795), Schwedens bedeutendster Dichter, ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Poesie und Musik.
Seine Lieder handeln von Liebe und Leidenschaft, von Suff und Völlerei, von Armut und Tod, der geniale Dichtersänger malte mit der Sprache - erotisch, komisch, zärtlich, derb…

 

Carl Michael Bellman (1740-1795)Carl Michael Bellman, Gemälde von Per Krafft d.Ä., 1779

Heute würde man ihn einen Singer-Songwriter nennen - Bellman ist im eigentlichen Sinn der Urvater des Liedermachers. Beheimatet im Stockholm Gustavs III., ist er musikalisch ein Freund Mozarts und Händels, und benutzt deren Melodien, genauso wie damals aktuelle «Hits» der Opéra comique mit großer Freiheit für seine eigenen Lieder.

Bellman selbst versteht sich jedoch hauptsächlich als Dichter. In seinen Liedern bildet er auf eine unvergleichliche Art die Menschen und Ereignisse seiner Umgebung ab; und diese Menschen waren das bunte Volk, das sich durch die branntweingeschwängerte Luft der Stockholmer Tavernen und Bordelle bewegte. Vier Themen dominieren seine Lieder:
  • der Wein, der Branntwein, das Bier…
  • die Liebe,
  • der Tod, der im damaligen Stockholm ein hartes Regime führte,
  • und, dazu vermeintlich fast im Gegensatz, einige der schönsten Naturschilderungen des nordischen Rokoko.

Aus dieser unnachahmlichen Mischung, die mit viel Humor in eine Dichtung von allerhöchster sprachlicher Qualität gegossen wird (in Schweden wird er in einem Atemzug mit Shakespeare genannt!), entsteht die Faszination und die ungebrochene Aktualität, die von seinen Liedern heute noch ausgeht. Das wirklich Besondere an Bellman ist dabei, daß sich die Begeisterung für seine Lieder quer durch alle sozialen und alle Altersschichten zieht.

Die Schwierigkeit bei der Interpretation seiner Lieder besteht zum einen darin, dass Bellman nur rudimentäres Notenmaterial hinterlassen hat (allein und mit seinen Musikerfreunden hat er das Meiste improvisiert), und zum anderen in der Gratwanderung zwischen den teilweise derb-fröhlichen Texten und dem äusserst anspruchsvollen Rokoko-Gesang.
Das Ensemble Pratum Musicum hat versucht, einige dieser Kleinode aus der «Welt der allzu schweren Getränke und der allzu leichten Liebschaften» (Felix Niedner) in einem Gewand wiederauferstehen zu lassen, wie sie damals geklungen haben könnten: mit improvisatorisch angelegten Arrangements im Stil der Zeit und der Begleitung einer originalen Cister (Bellmans eigenem Instrument).

 

Ensemble Pratum Musicum

Das Ensemble «Pratum Musicum» hat sich der (fast) vergessenen Kammermusik des europäischen Barocks verschrieben. Ihr musikalischer Spaziergang führt zu virtuosen Raritäten und galanten Preziosen der Musiklandschaft.
Seit fünf Jahren tritt das Ensemble Pratum Musicum regelmässig im In- und Ausland auf und begeistert das Publikum mit seiner Spielfreude und den abwechslungsreich gestalteten Programmen. Den Musikern liegt viel daran, neben bekannten Werken auch selten gespielte Kompositionen aufzuführen, um den Zuhörern einen lebendigen Einblick in die musikalische Welt des Früh- bis Spätbarock zu ermöglichen. Das Ausloten aller möglichen Besetzungen vom Solo bis zum Quartett verleiht den Konzerten zusätzlich besonders reiche Klangfarben.

Die vier Musiker (Stefano Lai, Blockflöten; Nicole Hitz, Barockbratsche; Jakob Ruppel, verschiedene Lauten; Christian Niedling, Barockcello und Gambe) spielen auf historischen Instrumenten. Sie studierten bei bekannten Künstlerpersönlichkeiten (Haenggli, Steck, Coin, ter Linden, Lislevand). Obwohl ihrem Spiel eine fundierte Beschäftigung mit der historischen Instrumentalpraxis zugrunde liegt, bleibt das wichtigste Anliegen des Ensembles die Vermittlung der in der Musik dargestellten Gemütswelten, der Begeisterung und des Genusses.
Wie der Name des Ensembles schon andeutet, – Pratum Musicum ist ein «musikalischer Lustgarten» – spannen ihre Programme einen weiten, bunten Bogen, wechselt Musik vom Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV mit bayerischem Rokoko, elegische Ostinato-Melodien mit frechen italienischen Renaissancetänzen.